Kleines großes Glück

"Dürfen wir das Pferd streicheln?" Fröhlich klingen die hellen Kinderstimmen auf dem Spielplatz, der entlang des Wegs in den Wald liegt. Bevor ich: "Ja, natürlich" sagen kann, kommen sie bereits angestürmt. Ich lasse mein Pferd Picasso anhalten und erstaunt guckt er, die Ohren nach vorne gerichtet, nach den sich uns tobend, hüpfend und rennend nähernden Kindern.

Ich kann mir vorstellen, wenn er alleine gewesen wäre, hätte er schon lange eine Kehrtwende im Galopp nach Hause gemacht. Bunt gefärbte Kinderjacken mit Sicherheitsreflektoren, Mützen mit Fransen und Filzkugeln und flatternde Schals in leuchtenden Farben. Ein Kindertraktor aus Kunststoff in hellem Grüngelb und Rot klappert mit seinen Hartgummirädern auf dem Asphalt. Er wird gefahren von einem kleinen Jungen, der auf seinem Kindertraktor deutlich schneller vorankommt, als er schon laufen kann. 

Ich weiß, dass ich ruhig bleiben muss, mein Pferd Picasso auch und auch die Kinder. Wie ein Kommandant in der Armee höre ich mich in lautstarkem Ton sagen: "Nicht rennen! Ganz ruhig sein und alle auf einer Seite des Pferdes aufstellen. Nicht alle auf einmal streicheln, einer nach den andere!"

Es funktioniert. Sie nehmen ihr Tempo zurück, kommen ruhig auf einer Seite des Pferdes zu stehen und warten brav in einer Reihe, um es zu streicheln. 

Picasso steht nun neugierig und entspannt zwischen den ihn fröhlich bewundernden Kindern. In hellen Stimmen klingen die aufgeregten Beobachtungen über große Nasenlöcher, liebe Augen und sanftes Fell. Es wird vorsichtig über seine Nase und den Hals gestreichelt, und Picasso hat in der Zwischenzeit den Kopf etwas tiefer gebracht, um das alles richtig empfangen zu können. Er genießt es und ich auch. 

"Ist es ein Junge oder ein Mädchen?“, fragt ein kleines blondes Mädchen. Sie zeigt mit dem Finger auf Picasso. Ich schätze, sie ist ungefähr neun Jahre alt. "Picasso ist ein Junge", antworte ich. "Und das andere, mit diesen weißen Streifen?" Sie zeigt über ihr Gesicht, um mir klar zu machen, dass sie die Streifen im Gesicht meines anderen Pferdes meint. "Das andere Pferd, die Marie, ist ein Mädchen“, sage ich. "Oh …", sagt sie.

"Weißt du, wir (sie deutet auf ihre kleine Freundin) spielen immer, dass wir dort wohnen (sie meint meine Wohnung). Und dann ist dies mein Pferd, und das andere Pferd ist von ihr ..." (der kleinen Freundin). Sie schaut ein bisschen schüchtern weg, als ob sie etwas gesagt hätte, das sie eigentlich nicht hätte sagen dürfen. 

Ich muss lachen. "Und gefällt es Euch ein bisschen, dort zu wohnen und so ein feines Pferd zu haben?", frage ich sie. Ich realisiere, dass in solchen Gesprächen Fantasie und Realität herrlich durcheinander gemischt werden. "Jahaaa …", sagt sie. Ich fühle mich plötzlich wieder sehr glücklich, dass ich dort wohne und lebe, und dass dieses feine Pferd meines ist. 

Als alle Kinder Picasso gestreichelt und bewundert haben, bemerke ich, dass er es eigentlich ganz schön findet. Entspannt guckt er nach den baumelnden Filzkugeln, die am farbigen Faden einer Mütze hängen. "Wenn ich groß bin, will ich auch ein Pferd haben", sagt das Mädchen, "das in meinem Haus wohnt.“

"Das ist ein schöner Wunsch", erwidere ich. "Das wollte ich auch, als ich so alt war wie du. Das wird dir sicher gelungen." Sie strahlt von Freude. "Ich denke, dass Picasso und ich nun wieder weiter gehen“, sage ich. "Geht ihr wieder ein bisschen auf die Seite?"

Ein bisschen enttäuscht stellen sich alle wieder am Straßenrand auf. Picasso bedauert es auch, merke ich. Ich nehme die Zügel ein wenig an. "Komm, Poek", sage ich, "wir machen noch eine Runde." Und mit einem Seufzer kommt er in Bewegung. 

Als ich beschloss, einen Ritt im Wald zu machen, gab es vieles, das ich aus meinem Kopf blasen lassen wollte. Ich weiß, dass das im Wald mit meinem Pferd immer funktioniert. Jetzt hat dieses kleine Mädchen, schon bevor ich im Wald ankam, mich wieder realisieren lassen, dass es sehr vieles gibt, womit ich zufrieden und froh sein kann. Kinder können so aufschlussreich sein. 

Der Wald bot uns ein herzliches Willkommen. Die meisten Blätter waren noch auf den Bäumen, aber der Herbst war deutlich sichtbar in warmem Orange und Schattierungen zwischen hell und golden Gelb. Einige Teile der Waldwege waren bereits dünn bedeckt mit einer farbigen Schicht braunroter Blätter, als Vorbote des dicken warmen Teppichs, der es nach dem ersten Frost werden wird.

Die Sonne färbte die Farben noch intensiver und ein leichter Windhauch verursachte einen golden Regen aus kleinen runden Blättern vor uns auf dem Waldweg. Picasso schnaubte. "Was bist du doch für ein gutes Pferd", sagte ich ihm. Er seufzte tief und zufrieden, und ich dachte mit einem Lächeln, dass er wahrscheinlich auch glücklich mit mir ist. 

Liebe Grüße, Saskia 

 

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